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21.12.2009
50 300 Lehrverträge weniger als im Vorjahr

Die deutschen Unternehmen haben in diesem Jahr 50 300 weniger Ausbildungsverträge abgeschlossen als im Vorjahr. Damit ging die Zahl der Neuverträge um 8,2 Prozent auf 566 000 zurück. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur dpa waren die größten Verlierer Industrie und Handel (minus 9,7 Prozent) sowie das Handwerk (minus 7,5 Prozent). Die freien Berufe verzeichneten bei den neuen Lehrverträgen einen Rückgang von 2,9 Prozent - während der öffentliche Dienst ein Plus von 3,7 Prozent erzielte.

Rund 46 000 Ausbildungsplätze werden auch in diesem Jahr von der Bundesagentur für Arbeit oder vom Staat voll finanziert. Dem Angebot von rund 583 000 Ausbildungsplätzen standen 649 000 Nachfrager gegenüber. 17 100 Stellen blieben 2009 unbesetzt. Insgesamt 83 000 junge Menschen galten zum statistischen Stichtag 30. September als unversorgt. 73 400 hatten zwar ein Alternativangebot, wie etwa eine weitere Schulmaßnahme, hielten aber ihren Vermittlungswunsch für eine Lehrstelle aufrecht.

Der Parlamentarische Bildungsstaatssekretär Helge Braun (CDU) bezeichnete dennoch den Ausbildungsmarkt als "weitgehend stabil". Angesichts der schwierigen Wirtschaftslage sei es "ein beachtliches Ergebnis, dass die Ausbildungschancen der Jugendlichen nach zwei hervorragenden Ausbildungsjahren auch 2009 weiterhin gut sind". Allerdings sollte der Rückgang der Verträge "auch nicht schön geredet werden". Die Zahl der ausbildungsinteressierten Jugendlichen gehe demografiebedingt aber stark zurück. Was jetzt zu einer Entlastung am Ausbildungsmarkt führe, werde in den kommenden Jahren ein ernsthaftes Problem darstellen. Braun: "Nur wer jetzt ausbildet, wird morgen über den dringend benötigten Fachkräftenachwuchs verfügen."

Nach Einschätzung der Unionsfraktionen im Bundestag bewährt sich der Ausbildungspakt auch in der Krise. "Trotz schwieriger wirtschaftlicher Situation setzen die Betriebe auf Ausbildung. Für 100 Schulabgänger standen 2009 bundesweit 65 Ausbildungsplätze zur Verfügung, im Osten waren es sogar 74. Aus Sicht von Fachleuten ist eine ausreichende Versorgung gewährleistet, wenn für zwei Drittel der Schulabgänger Ausbildungsplätze zur Verfügung stehen", erklärte der bildungspolitische Sprecher der CDU/CSUFraktion, Albert Rupprecht (CSU). Dies sei nun auch 2009 wieder der Fall.

Dagegen bezeichnete die SPD den erheblichen Rückgang bei den neuen Lehrverträgen um 50 300 als Skandal. SPD-Parteivize Olaf Scholz sagte am 18. Dezember der Deutschen Presse-Agentur dpa, damit hätten sich die schlimmsten Befürchtungen bestätigt. Es dürfe nicht so weitergehen, "dass in offiziellen Erklärungen schönfärberisch von einem ausgeglichenen Ausbildungsstellenmarkt gesprochen wird, gleichzeitig aber zigtausend junge Menschen ohne Lehrstelle traurig zu Hause sitzen", sagte der frühere Arbeitsminister.

Auch IG-Metall-Vorstandsmitglied Regina Görner zeigte sich enttäuscht über das Ergebnis. "Das Flaggschiff der Bildung in Deutschland, die berufliche Bildung, ist 2009 heftig ins Schlingern geraten." Industrie und Handwerk hätten eine wichtige Chance verpasst, sich auf die "mageren Jahre" vorzubereiten. Görner: "Die Bewerberzahlen gehen rapide zurück, die Wirtschaft muss komplett umdenken. Das hat sie 2009 leider versäumt."


Quelle: dpa
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